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Kündigung erhalten: Was sollte ich als Arbeitnehmer tun?

Autor: Rechtsanwalt Hans-Peter Jungkunz

Hat man eine Kündigung erhalten, sind zwei Dinge wichtig:

  1. Einhaltung der Drei-Wochen-Frist für die Kündigungsschutzklage

    Auf jeden Fall muss die Drei-Wochen-Frist (ab Zugang der Kündigung) für eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht beachtet werden. Wird diese Frist versäumt, gilt die Kündigung als rechtmäßig und wirksam, unabhängig davon, ob die gesetzlichen Anforderungen für eine wirksame Kündigung tatsächlich vorliegen oder nicht. Das heißt, Sie sollten möglichst schnell anwaltlichen Rat einholen.
  2. Sofortige Meldung bei der Agentur für Arbeit

    Nach Erhalt der Kündigung sollte man sich schnellstmöglich, d. h. sofort, spätestens jedoch drei Tage nach Zugang der Kündigung, bei der Behörde als arbeitssuchend melden und einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen.

Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht

Grundsätzlich gilt das sogenannte Kündigungsschutzgesetz ab einer Betriebszugehörigkeit von sechs Monaten und als weitere Voraussetzung, dass im Betrieb mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt sind (bei Altfällen reichen sechs Arbeitnehmer).

Häufig finden sich bereits formelle Fehler bei der Kündigung, sie kann z. B. unwirksam sein oder die angegebene Kündigungsfrist ist falsch berechnet. Ob die Kündigung wirksam ist oder nicht, hängt davon ab, was der Arbeitgeber im Kündigungsschutzverfahren bei Anwendung des Kündigungsschutzgesetzes als Kündigungsgrund darlegt. Im Betracht kommen verhaltens-, personen- und betriebsbedingte Kündigungsgründe. Die Frage, ob die Kündigung einer gerichtlichen Überprüfung standhält, bedarf einer sorgfältigen anwaltlichen Beratung.

Besonders schwierig ist der Fall dann, wenn Ihnen z. B. fristlos und hilfsweise ordentlich gekündigt wurde. In Anbetracht der Vielzahl von Fallgestaltungen und der umfangreichen Rechtsprechung bedarf auch die Beurteilung der Erfolgsaussichten einer anwaltlichen Beratung. In der Praxis der Kündigungsschutzprozesse ist festzustellen, dass die Arbeitgeber häufig nicht gewillt sind, sich auf ein langfristiges Klageverfahren einzulassen. Bereits aus diesem Grund und auch in dem Fall, dass die Kündigungsgründe nicht besonders stichhaltig oder gar zutreffend sind, bestehen häufig gute Aussichten, mit anwaltlicher Hilfe eine attraktive Abfindung und ein gutes Schlusszeugnis im Kündigungsschutzverfahren zu verhandeln.

Die Kündigungsschutzverfahren finden relativ zügig statt, d. h. nach Einreichung der Klage findet bereits die erste Güteverhandlung nach vier bis fünf Wochen statt. Im ersten Termin werden die Erfolgsaussichten erörtert und gegebenenfalls eine einvernehmliche Aufhebung des Arbeitsvertrages mit Zahlung einer Abfindung vereinbart.

Abschließend bleibt festzustellen, dass mit einer rechtzeitigen Klage gegen die Kündigung ein wirtschaftlich günstiges Ergebnis erreicht werden kann. Zögern Sie deshalb nicht, nach Zugang einer Kündigung unverzüglich anwaltlichen Rat in Anspruch zu nehmen.